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Gepäckträger

Ein Ziel - ein Weg - zwei Schwalben...

Nach Hessen soll es gehen, in die Nähe von Kassel, eine 420 km-Tour. Da mein Freund Arne nun auch Schwalbefahrer ist, kann es losgehen. Meine KR 51/2 E ist frisch restauriert, der Motor geradeso eingefahren und die Gepäckträger fertig. Wir besuchen Freunde von Arnes Familie und zelten dort.
Alles ist gut geplant.

Wir kommen am Freitag, 29.05.09 um ca. 9:30 Uhr los - anderthalb Stunden später, als geplant. Wir mussten noch umpacken, um Schlagseite zu vermeiden. Da kommt nämlich einiges an Gepäck zusammen. Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet. Für eine ganze Woche wäre es nicht mehr Gepäck gewesen aber es war nur das Nötigste dabei. Wir haben allerdings nie Regen gesehen oder erlebt.

Ich fahre voran, die Liste mit den Orten, die wir passieren mit einem Magneten auf dem Motortunnel befestigt. Wir haben Rückenwind und die Sonne lacht nur so. Schön - hoffen wir, dass es so bleibt. Nach 20 km passiert es dann auch schon - Planänderung. Ich habe eine Abbiegung verpasst und so drehen wir noch eine Runde durch Augustfehn. 7 km mehr. Gut gelaunt fahren wir Richtung Cloppenburg, immer über Kreisstraßen. Unsere Schwalben fahren sowieso nur knapp 60 km/h und man kann hier auch besser in die Landschaft gucken, als auf den großen, stark befahrenen Bundesstraßen. Da ist uns zuviel los. Von Zeit zu Zeit halten wir kurz, um mal die Beine zu strecken und den Hintern zu entlasten oder einen Blick auf die Karte zu werfen. Wir kommen gut voran. Nach etwa 150 km muss ich tanken, meine Schwalbe verbraucht mehr als die KR 51/1 von Arne. Also Motor und Handschuhe aus, Kanister vom hinteren Gepäckträger holen und den Tank wieder vollkippen. Genau 5 Liter passen wieder rein. In Cloppenburg angekommen ändern wir die Route noch etwas ab. Arne hat noch eine Idee eine Bundesstraße umfahren zu können.

Wir fahren über Dinklage anstatt über Lohne. Dort merke ich, dass mein Standgas etwas zu hoch ist und stelle es etwas runter. Dabei fällt mir auf, dass der Vergaserflansch sich gelockert hat. Mit dem Bing-Vergaser habe ich aber natürlich Inbusschrauben und nie damit gerechnet, dass ich einen Inbusschlüssel brauchen könnte. Alles fährt aber noch ordnungsgemäß und so suchen wir die nächste Autowerkstatt auf, wo ich mir den Schlüssel leihe. Loctite ist natürlich dabei und schafft hier Abhilfe. Gut, dass das aufgefallen ist.

Langsam wird es hügelig - wir nähern uns den Dammer Bergen. Dort suchen wir eine Gelegenheit, den knurrenden Magen zu füllen. Es gibt Döner. Der Dönermann bringt sie uns raus, denn die Sonne scheint immer noch herrlich. “Ach, ihr seid mit den Rollern unterwegs?!” “Ja, wir kommen aus Ostfriesland.”,sagen wir. Darauf der Dönermann skeptisch, die Kinnlade nach unten klappend: “Ne, mit den Dingern??” “Ja”,sagen wir,”und wir fahren noch bis nach Hessen weiter!” Da ist er wieder gegangen. “Na dann noch gute Fahrt!” Er klang etwas ungläubig...

Dann geht es gestärkt weiter über die Kreistraße bis nach Minden. Auf dieser Strecke sehen wir eine weiße Mühle auf der linken Seite. Sowas sieht man in Ostfriesland nicht mehr häufig. Wir fahren aber weiter, um nicht mehr Zeit zu verlieren. Wer weiß, wie lang wir noch unterwegs sein werden... In Minden angekommen müssen wir erstmal einer Umleitung folgen. Es wird gebaut und so müssen wir durch die ganze Stadt. Bei einer Touristinfo halten wir für eine Pause und um wieder aus Minden herauszufinden. Schön ist es hier.

Ab Minden wird es noch hügeliger und die Kreisstraßen werden seltener. So müssen wir uns an die Bundesstraßen halten. Nicht schön, weil hier viel verkehr ist aber es muss sein. Hier werden wir so knapp überholt, dass es uns Angst macht. Auch Motorradfahrer erschrecken uns mit gruseligen Überholmanövern.

Es wird dunkler, das Ziel kommt allmählich näher. Es geht über Hameln nach Hann. Münden. Jetzt fährt Arne vor, weil er sich nun auszukennen meint. Aber er fährt erstmal auf einen Rastplatz und beklagt sich über mangelnden Durchzug und Geschwindigkeit. Das schreit nach Unterbrecher einstellen. Das wird erledigt und es klappt wieder. Nun ist es stockdunkel und wie beschließen, den Rest der Strecke durchzufahren, um schnell anzukommen, denn wir haben beide keine Lust mehr. Mit knapp 70 km/h geht es nun die letzten Dörfer und Städtchen runter und wir können nicht mehr die schöne Umgebung bewundern.

Gegen 00:30 Uhr sind wir nach einem Verfahrer dann doch noch angekommen. Nach dem Auftauen und Essen haben wir lange und ausgiebig geschlafen. Nach dem Frühstück, gegen 13:00 Uhr, machen wir eine kleine Wartung der Maschinchen und fahren Einkaufen. Auf dem Rückweg geht es durch Schwalbental den Meissner hoch, bis auf ca. 700 Meter über NN.

Am Pfingstsonntag sind wir nach Hessisch Lichtenau zum Gottesdienst gefahren und waren anschließend auf dem Flugplatz, dort war Tag der offenen Tür. Dann haben wir uns in der Nähe von Hopfelde ein Mittagessen gekochert. Dazu haben wir die Schwalben eingesaut, weil der Weg hoch so geschmiert hat. Aber die Suppe hat geschmeckt, doch mir mussten weiter, das Programm war straff. Als nächstes sind wir wieder auf den Meissner rauf und ein wenig gewandert und die Seesteine besucht.

Die Steine liegen da einfach im Wald rum. Schon spannend, da es ja in Ostfriesland nicht mal kleine Steine gibt. Da ging es steil bergauf, das war fast mehr klettern, las wandern. Danach haben in Schwalbental eine Jause verspeist. Das ist ein Wurstteller, der mit Käse und Brot gereicht wird, sehr lecker. Es gibt in der Nähe des Meissners Erdversackungen, die Hielöcher. Da sind früher ganze Ochsengespanne einfach so verschwunden. die sind echt spektakulär. Leider ist da auch mein Nierengurt verloren gegangen, den ich in der Jackentasche hatte. Danach sind wir über Hausen nach Küchen zurück gefahren. Da sind bestimmt knapp 20 % Steigung oder Gefälle - je nachdem woher man kommt. Da sind wir öfter durch, es gibt nur im 1. Gang eine Chance hochzukommen.

Dann kam schon der Pfingstmontag und damit die Rückreise. Eigentlich schade, es war sehr schön am Meissner, aber ich freue mich auch auf die Fahrt nach Hause. Der Meissner hüllt sich in Wolken, als mein Motor nicht mehr weiter will - und das nach nur 10 km. Tanken ist angesagt. An der nächsten Tankstelle füllen wir die Kanister wieder auf. Diesmal schmeiße ich ne Runde. Der Kassierer kennt die Schwalbe und ist begeistert von unserer Tour, wie so viele, die wir unterwegs getroffen haben. Nach dem Wunsch von guter Fahrt geht es flott weiter Richtung Hann. Münden mit Wind von der Seite, dafür aber mehr bergab als bergauf. Immer an der Weser entlang, schöne Gegend.

Im Weserbergland macht mein Motor ungewohnte Geräusche - die Krümmermutter hat sich losgerüttelt. Das ist schnell behoben, denn der Hakenschlüssel ist nicht weit unterm Hintern zu finden. Das passiert noch einmal, dann ist Ruhe. Arne verliert auf der Fahrt seine Sterngriffmutter und sein Trittbrett lockert sich. Sonst gab es keine Zwischenfälle. In der Nähe von Bad Pyrmont steht Schloss Hämelschenburg. Tolles Teil, sehr imposant aber leider sehr von Touris belagert. Diesmal wird auch die schöne Mühle, die wir auf der Hinfahrt links liegen lassen haben abgelichtet. Nun allerdings rechts. Mittag gibts in Hameln. Eine Pommesbude in einer unbekannten Stadt zu finden ist schwer, deswegen blieb und nur das große M. Dabei haben wir uns dann die restliche Wegstrecke eingeprägt.

Auch hier wird es zunehmend später, je näher wir der Heimat kommen und wir kürzen die Route, fahren sogar zwei km Kraftfahrstraße, sparen dadurch aber 7 km schmerzenden Hintern. Diesmal schaffen wir es, um 22:40 Uhr zu Hause zu sein.


Fazit: Die Schwalbe ist absolut reisetauglich, zuverlässig und dazu auch noch sparsam. Bei der nächsten Tour werden wir allerdings nicht so lange fahren und die Vögel vorher besser warten, dann passiert unterwegs auch nichts. Das raubt nämlich nur Zeit. Die 14 Stunden fahrt jeweils haben sich aber gelohnt - es war sehr schön und wir werden noch lange von dieser Tour zehren. Und: Im ganzen Bundesgebiet gibt es frische Erdbeeren...

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